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Informations-Gau
Gutes Webseitenkonzept bietet dem Besucher eine eindeutige Navigationsstruktur die ein einfaches auffinden von Informationen erlaubt. Hierbei sollte jedweder Inhalt der nicht direkt oder indirekt etwas mit dem eigentlichen Inhalt zu tun hat weggelassen werden oder zumindest doch sehr behutsam eingesetzt werden. Je mehr Inhalt parallel angezeigt wird desto mehr muss der Besucher sich auf den eigentlichen Inhalt konzentrieren.
Hat der Besucher beispielsweise einen Artikel angeklickt, so kann man davon ausgehen, dass dieser daran interessiert ist diesen zu lesen. Nun stellt sich die Frage, was denn außerhalb von diesem Artikel noch angezeigt werden sollte? Hier findet man nun alle möglichen Konzepte. Nachfolgend eine Zusammenstellung von möglichen Informationen auf einer Seite die einen Artikel anzeigen.
- Artiketext mit direkt verknüpften Bilder oder Dateien zum herrunterladen.
- Haupt Navigationselemente
- Rubrike oder Kategorie des Artikels
- Artikelkommentare
- Tags (Blog)
- Tagcloud (Blog)
- Links zu themenverwandten Artikeln
- Rss Feeds
- Social Bookmarks
- Meistgelesene Artikel
- Externe Links zu verwandten Webseiten (Blogroll)
- Neusten Artikeln auf der Webseite
- Neusten Kommentare von anderen Artikeln
- Werbung
- Sonstiges
Das Notwendigste
Absolut notwendig ist natürlich der Artikel selbst. Zusätzlich zur Orientierung sind die 2 nachfolgenden Elemente notwendig. Bei allen anderen Elemente sollte man sich gut überlegen ob und wie diese dem Besucher präsentiert werden sollten.
Was ist denn das?
Heute wird als selbstverständlich angenommen, dass jeder weiß was Rss Feeds und Social Bookmarks sind und diese auch nutzt. Nun, es gibt viele Leute die das nicht wissen oder nicht daran interessiert sind. Dennoch werden auf immer mehr Seiten dutzende von Links solcher Dienste angeboten. Und es ist an zu nehmen, dass in Zukunft noch mehrere solcher tollen Features dazu kommen die uns, so wird uns versprochen, das Leben leichter und reicher machen sollen.
Konzentration
Je mehr ein Artikel mit direkter oder indirekter Information vermischt wird desto mehr wird die Aufmerksamkeit des Besuchers gefordert. Bis jetzt trifft man oft das Konzept an, dass für den Besucher ja vielleicht noch dieses oder jenes interessant sei und dass man ihm die Gelegenheit geben sollte diese zu nutzen. Es hat sich gezeigt, dass viele Menschen, auch wenn diese nicht unter einem chronischem Aufmerksamkeitsdefizit leiden, damit überfordert sind und sich nur schwer auf den eigentlichen Inhalt einer Seite konzentrieren können. Dieser wird dann nur teilweise gelesen oder schlimmstenfalls überhaupt nicht.
Worst case
Das Schlimmste was man überhaupt Inhalt antun kann ist diesen mit Werbung in Form von bewegten Bilder zu vermischen. Es liegt in der Natur menschlicher Wahrnehmungsfähigkeit, dass solches die größte Aufmerksamkeit hat und erhebliche Anstrengungen genommen werden müssen dieses zu ignorieren. Bei Menschen die unter Epilepsie leiden können solche Seiten sogar Anfälle auslösen.
Besonders störend ist, wenn Werbung innerhalb eines Artikeltextes plaziert wird. Beipiel:
Unterschiedliche Inhalte konkurrieren um die Aufmersamkeit des Besuchers. Aktuelle Erkenntnisse zeigen, dass der Mensch sich nicht gleichzeitig auf mehrere Dinge konzentrieren kann. Sondern der Fokus immer nur Singular ist und unser Bewusstsein Information seriell abarbeitet. So ist es ebenso nicht möglich zu lesen und gleichzeitig Radio zu hören. Unterbrechungen führen dazu, dass Inhalte nur teilweise oder gar nicht aufgenommen werden.
Beispiel Zeit.de
Eine typische Artikelseite auf zeit.de besteht aus ungefähr 260 Weblinks wovon etwa 2 bis 4 auf die Rubriken fallen worin sich der Artikel befindet und 7 auf die Hauptrubriken der gesamten Webseite. Der Artikelinhalt nimmt gerade einmal 30% der mit Inhalt gefüllten Fläche ein. Werbung mit bewegtem Inhalt 26% und statischem Inhalt 4%. Auf die restlichen 40% fallen Inhalt der nichts direktes mit dem Artikel zu tun haben, also Zeit-Inhalt aus anderen Rubriken. Der Leser muss nun in der Lage sein 70% der ihm gebotenen Information ausblenden zu können um sich auf die entscheidenden 30% Inhalt zu konzentrieren.
Keine Ausnahme
Das Beipiel von zeit.de ist relativ harmlos. Es zeigt sich dass Webauftritte u.a. von Zeitungen und Magazinen die ihre Inhalte über das Web anbieten zunehmend in einem chaotischen Informationsbrei untergehen. In Frankreich ist die Lage besonders extrem. Libération, eine durchaus renomierte Tageszeitung, schlägt bei ihrem Webauftritt jede Rekorde. Die Eingansseite besteht 1600 Links, 160 Überschriften, 8 Werbungsangebote mit bewegtem Inhalt. Hier ist der eigentliche Inhalt Nebensache.
Fairerweise muss man erwähnen, dass viele Informationsangebote für das Überleben, auf Werbung angewiesen sind. Bei Angeboten die von der öffentlichen Hand finanziert werden, sieht es schon wesentliche entspannter aus. Eine Diskussion über fairen Wettbewerb zwischen öffentlichen und kommerziellen Informationsanbietern wäre hier angesagt.